MOMENT IN DER WÜSTE
Ein lieber Kontakt aus Flandern (Niederlande), Moniale Elisabeth, hat diesen wunderbaren Text über die Beginen in Flandern geschrieben! Herzlichen Dank dafür, liebe Elisabeth:
Die Beginen und die Beginenbewegung – Entstehung und Entwicklung.
Die Beginenbewegung entstand im 12. Jahrhundert in den Niederlanden und in Belgien. Unverheiratete Frauen schlossen sich zusammen, um ein geistliches und zugleich praktisches Leben außerhalb der Mauern eines Klosters zu führen. Diese Bewegung unterstand keiner kirchlichen oder weltlichen Institution. Die Frauen lebten in ihren eigenen Häusern oder in Beginenhöfen, legten keine Gelübde ab, wählten eine „Meisterin“, gaben sich eigene Regeln und waren weitgehend finanziell unabhängig.
In Belgien ist Hadewijch bekannt (niederländische Aussprache: [ˈɦaːdəʋɪx]), auch Hadewych oder Hadewig genannt (von Brabant oder Antwerpen), eine Dichterin und Mystikerin des 13. Jahrhunderts, die vermutlich im Herzogtum Brabant lebte. Die meisten ihrer überlieferten Schriften sind im mittelniederländischen Brabanter Dialekt verfasst. Heute wird intensiv geforscht, um diese spirituelle und soziale Strömung besser zu verstehen.
Die Beginen arbeiteten als Handwerkerinnen, Künstlerinnen und Händlerinnen sowie in allen Bereichen von Gesundheit und Bildung. Sie teilten ihre gemeinschaftlichen Einkünfte, behielten jedoch ihr persönliches Vermögen. Einige widmeten sich der medizinischen Versorgung der Bevölkerung in den damals entstehenden Städten.
Im 15. Jahrhundert waren Beginen in ganz Europa verbreitet, insbesondere in Belgien, den Niederlanden und Deutschland. In Deutschland existieren archivalische Nachweise zu Beginen in über 600 Städten.
Der Niedergang der Beginen war letztlich auf ihre Lebensform zurückzuführen, die sie in Konflikt mit anderen Mächten und konkurrierenden Gruppen brachte. Kirche, Stadträte und Zünfte regelten diese Auseinandersetzungen häufig zum Nachteil der Beginen. In Deutschland starb die letzte Begine in der katholischen Stadt Essen 1884, die letzte in Bremen – ebenfalls katholisch – sogar erst 1997.
In Belgien verstarb die letzte Genter Begine im Jahr 2008, kurz vor ihrem 100. Geburtstag. Mit dem Tod der 92-jährigen Marcella Pattyn ging ein ganzes Kapitel der Religionsgeschichte zu Ende, da sie die letzte und einzige Begine der Welt war. Seit acht Jahrhunderten hatten sich zahlreiche Frauen entschieden, in einem Beginenhof zu leben. In Flandern gab es zeitweise bis zu 80 Beginenhöfe – nahezu jede bedeutende Stadt besaß ihre eigene Beginengemeinschaft in einem „Begijnhof“. Dreizehn flämische Beginenhöfe stehen heute auf der UNESCO-Welterbeliste: Brügge, Kortrijk, Diest, Hoogstraten, Gent, Lier, Löwen, Mechelen, Sint-Amandsberg (bei Gent), Sint-Truiden, Dendermonde, Tongeren und Turnhout.
Der Tod der letzten Überlebenden am 14. April markiert das Ende einer religiösen Tradition. Künftig werden nur noch die Steine an diese Form religiösen Engagements erinnern. Marcella Pattyn war 71 Jahre lang Begine. Zunächst lebte sie im Beginenhof von Sint-Amandsberg in der Region Gent, später in Kortrijk. Bereits seit 2005 war sie jedoch gezwungen, in ein Pflegeheim der Stadt umzuziehen. 2012 ehrten die städtischen Behörden von Kortrijk Marcella Pattyn, ihre Begine. Der Beginenhof St. Elisabeth in Kortrijk ist seit seiner Gründung im Jahr 1238 besonders gut erhalten geblieben. Er besteht aus 41 Häusern und präsentiert sich noch heute wie im 17. Jahrhundert. Auch der Beginenhof von Brügge sowie jener von Diest sind weithin bekannte Orte.
Vielleicht wird uns die Zukunft – und wir dürfen es hoffen – eine Wiedergeburt dieser Bewegung zeigen, die gut zu unserer Zeit passt und für ein suchendes Europa bedeutsam sein könnte. Schließen wir die Fensterläden nicht zu früh. Bleiben wir aufmerksam für diese kirchliche und soziale Strömung. Heute setzt eine deutsche Vereinigung („Zeitschrift Beginen Heute“) erste Akzente. Wir werden Gelegenheit haben, darauf zurückzukommen.


