Beginen-Stiftungen
Text aus Beginen heute Heft 1 - von Uta-Maria Freckmann (C)
Im Rahmen meiner Nachforschungen zu Aktivitäten der modernen Beginen, stieß ich auf zwei außergewöhnliche Beginen-Stiftungen, die mit sehr viel Engagement den Gedanken des Wohnens für Frauen umsetzen. Diese möchte ich hier gern vorstellen:
Hanne Bette Beginen-Stiftung
Die Hanne Bette Beginen-Stiftung [1], gegründet Ende 2012 in Delbrück bei Paderborn, hat einen riesigen Gebäudekomplex mit zwölf Wohneinheiten für Wohnbeginen errichtet, um alleinerziehenden oder allein lebenden Frauen bezahlbaren Wohnraum anzubieten. Zeitgleich leben sie dort eine gute Gemeinschaft, unterstützen einander im Alter und bei Krankheit und treffen gemeinsam Entscheidungen, wenn es um Veranstaltungen geht. Die Gründerin Hanne Bette ist leider 2023 verstorben; seitdem wird diese Stiftung unter der liebevollen Aufsicht von Renate-Maria Pape weiter geführt.
Männer sind dort nicht erlaubt! Wer mit einem Partner zusammen leben möchte, muss wieder ausziehen. Frau Pape wacht darüber, dass die Satzung der Stiftung eingehalten wird, welche auch beinhaltet, dass jedes Jahr öffentliche Vereine finanziell unterstützt werden.
Durch die monatlichen Mieteinnahmen ist die Erfüllung der Satzung problemlos möglich. Allerdings gibt es bei Stiftungen durch die Beaufsichtigung des Finanzamtes allerlei zu berücksichtigen.
Beginenstiftung in Tübingen
Die zweite Beginen-Stiftung in Tübingen, von Frau Ingrid Gerth [2] errichtet, arbeitet vorwiegend projektübergreifend. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, die Häuser, in denen die Beginen leben, für die Frauen zu sichern. Dies tun sie, indem sie eine gGmbH an die Stiftung angeschlossen haben, in die Anteile der Häuser übergehen. Eine Grundlage dafür, dass die Häuser in der Gemeinschaft verbleiben und nicht etwa durch Erbfolgen auseinandergerissen werden können.
Diese Häuser sind durch ihre besondere Rechtsform Gemeineigentum, dadurch vor Verkauf und Spekulation geschützt und bieten langfristig bezahlbaren Wohnraum. Jedes Projekt, das an diese Stiftung mit gGmbH angeschlossen ist, ist vollkommen eigenständig dafür verantwortlich, gemeinnützige Projekte ins Leben zu rufen.
Diese Zweiteilung der Stiftung scheint mir eine sehr geschickte Vorgehensweise zu sein, denn der Stiftungszweck ist damit jährlich automatisch erfüllt und muss lediglich mit Publikationen und gelegentlichen Veröffentlichungen etc. ergänzt werden.
Schwierigkeiten von Stiftungen
Bei meiner Recherche traf ich auf vielerlei Schwierigkeiten, denen Stiftungen heute ausgesetzt sind, was mich teilweise betroffen gemacht hat. Alles ist bis ins Kleinste zu bedenken, wenn man eine Satzung erstellt. Seit die Zinsen derart gesunken sind, ist es für viele Stiftungen extrem schwierig Gelder zu generieren, um ihren Stiftungszweck zu erfüllen, da der Grundstock nicht angerührt werden darf.
Fragwürdiger Umgang
Wenn ich höre, dass manchen Stiftungen die Gemeinnützigkeit entzogen wurde, weil in diesen schwierigen Zeiten eben auch keine Spenden mehr zu generieren waren, damit Satzungen erfüllt werden können, finde ich das fragwürdig. Das bedeutet für diese Stiftungen zeitgleich, dass sie durch staatliche Instanzen aufgelöst werden und ihr Grundstock verteilt wird. Dann ist alles Vermögen ganz einfach weg und die Stiftung ebenfalls.
Das hat mir sehr zu denken gegeben, denn ich möchte mich keinesfalls der Willkür eines Systems aussetzen, welches permanent „Leistung“ erwartet, dafür, dass ein paar Steuern erlassen werden.
Wird der Stiftungszweck einmal nicht zu 100% erfüllt, weil man etwa dem Tierschutz und nicht den Menschen Unterstützung hat zukommen lassen, wird unmittelbar mit Schließung der Stiftung gedroht, weil in der Satzung z.B. nur Menschen begünstigt sind (ist so geschehen). Die Aufgaben, die viele Stiftungen erfüllen, sind meines Erachtens ohnehin eigentlich Aufgaben des Staates, denn dafür werden viele Steuern gezahlt. Diese Verpflichtungen werden staatlicherseits nicht erfüllt, worauf Lücken im Sozialsystem entstehen.
Deshalb entstehen Vereine und Stiftungen (Tafeln, Obdachlosenhilfe und, und, und), um die Menschen teilweise mit dem Notwendigsten zu versorgen. Viele ehrenamtliche Helfer wirken dort mit, daher würde ich mir mehr freundliches Miteinander zwischen dem Staat und den Stiftungen wünschen, und kein rigoroses Einstellen von Stiftungen, wenn Engpässe entstehen.
Resümee und Analyse
Das kurze Eintauchen in die Herausforderungen von Stiftungen hat mich zu der Erkenntnis geführt, dass es vielleicht sinnvoller ist, mein Vorhaben einer Beginen-Stiftungsgründung lieber in Form einer privaten Treuhandvereinbarung umzusetzen.
Die letzte Entscheidung dazu wurde allerdings noch nicht getroffen. Doch das allerhöchste Gut der Seele ist bekanntlich Freiheit, und die sollte in jedem Fall erhalten bleiben.
Link-Quellen:
[1] Hanne Bette Beginen-Stiftung
[3] Beginenstiftung Frau Gerth
Text von Uta-Maria Freckmann, Begine, Mitarbeiterin und Chronistin im Beginenhof Nordhastedt.


