Das Armutsideal im Mittelalter
Im Mittelalter haben sich adelige Frauen und Männer der Armut verpflichtet um zu helfen und Christus zu folgen. Das hieß für sie oft, ihre Diener zu behalten oder Bücher, die wertvolle Luxusgüter waren, mitzunehmen in ihre Armut.
Armut wurde im Vergleich zum Luxusleben Adeliger verstanden und hieß nicht unbedingt, völlig mittellos zu sein und auf der Straße zu leben.
Beginen mussten ihren Lebensunterhalt erhalten, um in der Gesellschaft wirken zu können, dazu gehörte Geld, oder der weise Umgang mit Hab und Gut. Franz von Assisi hat Armut recht radikal gelebt, um dem Prunk des Klerus etwas entgegenzusetzen und Jesus nachzufolgen.
Das Ideal der Armut kommt auch aus der Bibel („Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt. Ausspruch Jesu, Matthäus 19,24).
Gemeint ist damit, dass „NICHT ANHANGEN“ an Hab und Gut. Deshalb spricht Mechthild von Magdeburg hier direkt die in Armut lebenden an, denn Anhängen an Hab und Gut kann man auch als armer, oder gut situierter Mensch. Um dem Armutsideal zu entsprechen, geht es allein darum, die Welt mit ihren Verführungen, Gütern, Geld und Reichtum loszulassen und alles was einem gehört, als göttlichen Besitz anzusehen. Geld und Gut sind wertvolle Hilfen, wenn sie als Besitz Gottes betrachtet werden und entweder der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt, Projekte damit unterstützt werden oder Gutes getan wird.
So kann Reichtum für das Weltwohl förderlich sein, der Mitwelt oder höheren Plänen dienen und Gutes unterstützen. Ein Luxusleben und in Saus und Braus zu leben, ist genauso wenig zielführend für den spirituellen Weg, wie in tiefer Armut zu leben.
Hier, wie in allen Dingen, ist der Mittelweg anzustreben, denn absolute Armut kann dazu führen handlungsunfähig zu werden.


