Wer war Gertrud von Ortenberg?

 



Gertrud von Ortenberg war eine Mystikerin (ca. 1275 - 1335). Gertruds Vita liefert seltene Einblicke in ihr Leben, welches sich auszeichnete durch beginische Tugenden und soziales Engagement. Sie konnte einer Ehe (1298) mit einem Ritter namens Rickeldey (Rückeldegen von Ullenburg) nicht entgehen und gebar innerhalb von 4 Ehejahren 4 Kinder. Eigentlich wollte sie schon als kleines Mädchen, und später als Jugendliche, ihrem Gott dienen und ihm treu bleiben, aber Frauen wurden seinerzeit nicht unbedingt gefragt, was sie sich wünschten, besonders wenn sie adelig und nicht reich waren. Nicht reich zu sein bedeutete, dass der Eintritt in ein Kloster nicht möglich war, wegen fehlender Mitgift.
Als ihr Mann nach 4 Ehejahren starb, sagte sie zu ihrer Freundin, dass sie sich nicht verkneifen konnte, sich zu freuen, das ist so überliefert worden (sie biss sich in den Finger, damit es nicht so auffiel). Die Ehe war wohl seinerzeit oft ein Martyrium! Männer herrschten über ihre Ehefrauen und diese hatten sich zu fügen. Sie schaffte es, nach dem Tod ihres Ehemannes, sich als eigenständig lebende Begine innerhalb der Gesellschaft in Offenburg zu behaupten. Wegen ihres freundlichen Wesens und ihrem ausgeprägten Charisma, wurde sie als Mystikerin recht bekannt. Dass sie später fast vollständig in Vergessenheit geriet, hat wohl mit dem damaligen Verhältnis der Gesellschaft zur Armut zu tun, darüber berichte ich in einem anderen Post.
Sie lebte als Begine, dann zog sie nach Strassburg, im 14. Jahrhundert eine Metropole der Spiritualität, und trat später in einen Franziskanerorden ein. Es gibt sehr aussagekräftige, authentische Schriften von ihrem Leben und Wirken in Form einer Gnadenvita (ausgewertet von Siegfried Ringler), ohne Verzerrungen die Heiligenviten (Hagiografien) oft mit sich bringen und aufgeschrieben von einer Frau, die sie noch kannte. Später mehr von Gertrud von Ortenberg in der Beginen-Galerie:

Bild: KI generiert


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