Der Beginenhof in Bocholt

 

                                                                 Bild: Bärbel Maessen

 
Es gibt mehrere Beginenhöfe, die nicht im Dachverband sind. Diese werden fortwährend in der „Beginen heute“ in den Fokus gerückt, damit sie besser gesehen werden.


© von Uta-Maria Freckmann

Schon Ende des 12. Jahrhunderts gab es Beginen in Bocholt, erste urkundliche Erwähnungen tauchten am 24. März 1309 auf. Das Beginenkonvent hieß: „Lüttycke Beckinehues“. Die Unterlagen sagten aus, dass im Jahre 1332 dort 10 ehrbare und rechtgläubige Jungfrauen und Witwen wohnten, die sich Beginen nannten. Nicht in jeder Stadt ist solch eine genaue Beschreibung aus den Urkunden einer Stadt zu entnehmen.  

Der moderne Beginenhof in Bocholt 

Seit dem Einzug der Frauen, seit Dezember 2013 in den Neubau im Bollwerk 4, sind sie wieder da, die Beginen in Bocholt. Ihre Gemeinschaft beruht auf  gegenseitiger Wertschätzung und Unterstützung im Alter. Der spirituelle Gedanke ist Teil ihrer Gemeinschaft. Wie dieser gelebt wird, ist allerdings freigestellt, denn sie sehen sich als konfessionsungebunden. Die Gründerin Lieselotte Möckel sieht deren Aufgaben, festgehalten in der Vereinssatzung, in der Stärkung des Selbstbewusstseins von Frauen und in einer gelebten Spiritualität.  

 Aktivitäten und Engagement 

Im Gespräch mit Inge Kunz war spürbar, dass ein großes Interesse zum Thema Altersarmut besteht, um betroffene Frauen zu unterstützen. In diesem Beginenhof gibt es 10 staatlich bezuschusste Wohnungen, die oftmals von Frauen mit eher niedriger Rente bewohnt werden. Die Vereinsfrauen sammeln öffentlich Spenden, um die Teilhabe von Frauen mit Grundsicherungsleistungen an kulturellen Aktivitäten und Seminarangeboten zu ermöglichen. 5 Beginen des Beginenhofs engagieren sich zudem im Hospizverein und in der Sterbebegleitung. 

 
Einzelbeginen im Verein 

Frau Kunz bemerkte in den letzten Jahren ein Nachlassen des Interesses an Themen wie Gleichstellung, Teilhabe im Alter und der Vereinsamung durch Altersarmut, die laut Statistik in besonderem Maße Frauen betreffen. Um dem etwas entgegenzusetzen, sind die Frauen des Bocholter Beginenvereins besonders innerhalb dieser Themen aktiv. 

Zusätzlich zu den Bewohnerinnen des 14 Wohnungen umfassenden Beginenhofs, kommen 37 Einzelbeginen, die die Vereinsarbeit unterstützen. Auch Inge Kunz ist Einzelbegine und sehr daran interessiert, Frauenthemen auch auf politischer Ebene anzusprechen. Viele Seminare die angeboten werden richten sich an Frauen und ihre Selbstfindung, weibliche Kraft entwickeln und aktiv sein im Alter. Die engagierten Beginen möchten mit Themenseminaren unterstützen.   

Ihr verbindendes Motto lautet: 

Sich gegenseitig vertrauen, fördern, ermutigen, stützen und an der Andersartigkeit der anderen wachsen. 

Eckdaten 

Insgesamt 14 Wohnungen, 10 geförderte Wohnungen für Frauen mit geringem Einkommen, alle barrierefrei und rollstuhlgerecht. Richtfest im Juni 2013, Schlüsselübergabe Ende November 2013, Einzug der Frauen ab Dezember 2013 und Eröffnung des Beginenhauses am 17. Mai 2014, ca. 705 Jahre nach der ersten Nennung in den Statuten der Stadt. 


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