Die KI und der Beginen-Rufmord


Von Uta-Maria Freckmann


Rubrik: Neues aus der Redaktion

Hier dokumentiere ich, wie moderne KI Systeme historische Aussagen über die Beginen manchmal verzerren, unpräzise wiedergeben oder sogar diffamierende Narrative reproduzieren – und wie wichtig es ist, diese Fehler konsequent zu korrigieren, um das Ansehen der historischen Beginen zu schützen.

Die Analyse zeigt, dass KI Modelle häufig das wiederholen, was im Netz am häufigsten vorkommt, auch wenn es falsch ist. Solche Unschärfen wurden historisch genutzt, um willkürliche Verfolgungen zu legitimieren – ein Mechanismus, der sich heute in digitaler Form wiederholen kann.

Auf dieser Seite zeige ich anhand konkreter Beispiele, wie KI Antworten korrigiert werden müssen, damit keine Unwahrheiten über das Beginenwesen weitergegeben werden. Gleichzeitig erläutere ich, warum diese Korrekturen in den öffentlichen Wissenspool einfließen sollten, damit KI Systeme langfristig verlässlicher werden und nicht zur Verbreitung historischer Verzerrungen beitragen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage, wie sich die veränderte Google-Suche auf die Sichtbarkeit moderner Beginenhöfe auswirkt. Da KI generierte Antworten zunehmend klassische Weblinks verdrängen, wird gegenseitige Unterstützung durch Gegenlinks und Vernetzung immer wichtiger, um weiterhin gefunden zu werden.

Diese Seite verbindet historische Forschung, digitale Medienkompetenz und den aktiven Schutz des Beginenwesens im Zeitalter der KI. 


Halt STOP - hier läuft etwas falsch.

Mehrfach habe ich in der letzten Zeit die KI berichtigen müssen, wenn es um Aussagen über das Beginenwesen ging. Es ist mir wichtig, dass keine Falschaussagen von der KI verbreitet werden, was leider schon öfter vorgekommen ist. KIs prüfen nicht wirklich die Aussagen, sondern nehmen das, was am meisten wiederholt wird, als Wahrheit oder gegeben an.

Warum mir das wichtig ist? Weil ich es nicht mitansehen kann, wenn das Ansehen der historischen Beginen in Schieflage gerät, während ich historische Forschung studiere und mitbekomme, wie schwer diese Frauen es hatten. Sie agierten in einer Welt, die ihnen ständig Knüppel zwischen die Beine warf. Ich ertrage es nicht, wenn dies heute noch immer geschieht und historische Gegebenheiten verzerrt werden. Daher korrigiere ich die KI, wenn sie Blödsinn von sich gibt, denn dafür gibt es Schlüssel, die verhindern, dass diese Unwahrheiten weiterhin verbreitet werden. Meistens „impfe“ ich damit alle anderen KIs ebenfalls, damit sie einen Gleichklang haben, in dem, was sie über die Beginen wissen (ChatGPT; Gemini; Copilot). Es ist nicht egal, was die KIs so von sich geben! Korrekturen der KI sind wichtig, damit zukünftig KEINE Unwahrheiten über das Beginenwesen weitergegeben werden.

Damit beugt man effektiv Verleumdungen und Diffamierungen gegen das Beginenwesen vor. Oder wie es heute so schön heißt in Neudeutsch: framen oder canceln; einen Shitstorm starten oder gaslighten. Denn ich habe gelernt: Wer wegsieht und so etwas zulässt, ist selbst beteiligt am Geschehen, macht sich also mitschuldig. Ich zeige jetzt auf, was konkret damit gemeint ist:

Meine Frage an ChatGPT: Welches war die allererste Bulle oder Dekret, womit die Beginen zurechtgewiesen oder unterdrückt wurden?

Antwort ChatGPT: Die erste große kirchliche Maßnahme gegen die Beginen war sehr wahrscheinlich das Dekret „Cum de quibusdam mulieribus“ des Konzils von Konzil von Vienne unter Papst Clemens V.
Dieses Dekret gilt als der erste umfassende offizielle Angriff der Kirche auf die Beginenbewegung als Ganzes. Es wurde später in die päpstlichen Rechtssammlungen aufgenommen und bildete die Grundlage für zahlreiche Verfolgungen. Wichtig ist allerdings die Unterscheidung: Vor 1311 gab es bereits lokale Verbote, Misstrauen und einzelne Verurteilungen gegen bestimmte Frauen oder Gruppen. Erst in Vienne entstand eine allgemeine kirchenrechtliche Verurteilung bestimmter Formen des Beginenlebens.
Das Dekret richtete sich vor allem gegen: Frauen ohne Ordensregel, selbständige religiöse Gemeinschaften, weibliche Lehrtätigkeit, mystische Theologie außerhalb kirchlicher Kontrolle. Im Text heißt es sinngemäß, manche Frauen, „die man Beginen nennt“, diskutierten über die Trinität und göttliche Dinge und verbreiteten Lehren, die dem Glauben widersprächen.

Dabei ist historisch wichtig:
Das Konzil verurteilte nicht pauschal jede Begine. Viele fromme Beginengemeinschaften bestanden weiter. Verurteilt wurden offiziell bestimmte „irrige“ oder „verdächtige“ Gruppen und Lehren. In der Praxis führte das jedoch vielerorts zu Verfolgung, Auflösung und Überwachung nahezu aller Beginen.

Das hat mich dann doch erstaunt, denn das erweckte den Eindruck, als seien seinerzeit nur die herumziehenden Beginen verfolgt wurden und die anderen sesshaften und „artigen“ Beginen nicht. Es war aber anders. So haben es viele Forscher mittlerweile einhellig beschrieben. Hinter dieser weitläufigen Beschreibung der „bösen Beginen“ gab es ein Konzept. Wer Verwirrung erzeugt, öffnet Tür und Tor für falsche Annahmen und Willkür. Das fiel mir auf und darauf wies ich die KI hin:

Meine Antwort und Korrektur der KI:
Ich bezweifle, dass das was du schreibst, historisch richtig ist. (Zitat) Dabei ist historisch wichtig: Das Konzil verurteilte nicht pauschal jede Begine. Viele fromme Beginengemeinschaften bestanden weiter. Verurteilt wurden offiziell bestimmte „irrige“ oder „verdächtige“ Gruppen und Lehren. In der Praxis führte das jedoch vielerorts zu Verfolgung, Auflösung und Überwachung nahezu aller Beginen.
(Zitatende)

Mein Hinweis auf Korrektur: Hinter diesen Aussagen stand eine Absicht und geplante Vorgehensweise. Die Beschreibungen der Beginen waren so schwammig, dass niemand genau wusste, was GUTE oder SCHLECHTE Beginen waren. Es war der Grundstein für Verfolgung und willkürliche Festnahmen. Das wurde vielfach von Forschern so gesehen. - Suche mir diese Quellen!

ChatGPT: Ja — diese Kritik ist in der Forschung tatsächlich sehr verbreitet. Viele Historikerinnen und Historiker betonen, dass die Beschlüsse des Konzils von Vienne absichtlich unklar formuliert waren und dadurch einen enormen Interpretationsspielraum eröffneten. Genau daraus entstand vielerorts eine Atmosphäre von Misstrauen, Denunziation und willkürlicher Verfolgung.
Besonders wichtig ist dabei:
Das Konzil definierte nie eindeutig, wer überhaupt „wahre“ oder „falsche“ Beginen seien. Verurteilt wurden Formulierungen wie:
• „gewisse Frauen, die man Beginen nennt“
• Frauen, die „über die höchste Dreifaltigkeit disputieren“
• Frauen ohne approbierte Regel

Gerade diese Vagheit wurde später von Inquisitoren und lokalen Bischöfen genutzt.

Wichtige Forschungspositionen dazu:
• Walter Simons beschreibt, dass die Grenze zwischen orthodoxen und häretischen Beginen absichtlich unscharf blieb und dadurch fast jede unabhängige religiöse Frau verdächtig werden konnte.
• Robert E. Lerner argumentiert, dass die Beschlüsse von Vienne weniger präzise Theologie als vielmehr ein Instrument sozialer Kontrolle gewesen seien.
• Malcolm Lambert weist darauf hin, dass die Dekrete lokal sehr unterschiedlich angewandt wurden — von bloßer Beobachtung bis hin zu Gefängnis, Vertreibung oder Hinrichtung.
• Herbert Grundmann zeigte bereits früh, dass die Kirche große Schwierigkeiten hatte, weibliche religiöse Bewegungen überhaupt einzuordnen. Dadurch entstand eine generelle Verdachtskultur gegenüber nicht kontrollierten Frauenbewegungen.
• Andrea Janelle Dickinson betont, dass die Formulierungen des Konzils juristisch offen genug waren, um regionale Repressionen praktisch beliebig zu legitimieren.
Sehr oft zitiert wird außerdem der Gegensatz zwischen:
• der offiziellen Behauptung, nur „irrige“ Gruppen zu verurteilen,
• und der tatsächlichen Praxis, in der viele Beginengemeinschaften pauschal unter Verdacht gerieten.

Ein zentraler Punkt der neueren Forschung lautet deshalb:
Die Unschärfe war kein Versehen, sondern funktional.
Sie erlaubte flexible Anwendung durch Bischöfe, Inquisitoren und lokale Machthaber.

Gute wissenschaftliche Werke dazu:
• Cities of Ladies
• The Heresy of the Free Spirit in the Later Middle Ages
• Medieval Heresy
• Religiöse Bewegungen im Mittelalter
• The Beguines, the Angel and the Inquisitor

Ende der Korrektur von der KI ChatGPT

Es macht generell Sinn, das, was die KI schreibt, selbst von ihr korrigieren zu lassen und mit Quellennachweisen zu belegen, denn damit widerlegt sie sich gleich selbst. Ebenso wichtig ist es, den Hinweis darauf zu geben, dass diese Korrektur in den öffentlichen Wissenspool einfließen sollte, damit sich die KIs nicht langfristig unglaubwürdig machen (und blamieren).
Es gibt Menüpunkte bei manchen KIs, die man nur anklicken braucht, bei anderen nutzt man Schlüsselworte, die die KI vorgibt, damit das Wissen öffentlich genutzt werden darf. Dies war nur 1 Beispiel. Ich habe nicht nur mehrfach die KI, sondern auch einmal eine Autorin korrigiert, die Beginen als haltlose Damen darstellen wollte, die sich in den Beginenhöfen sexuell amüsiert haben (daraus entstand der Text: Beginen und die Minne). Auch das war eine Darstellung aufgrund von Projektionen. Die heutige Lebensweise wurde auf das Leben der historischen Beginen übertragen und undifferenziert falsche Darstellungen aus dem Netz wiederholt. 

Fakt ist, dass damals immer wieder Diffamierungen und Hetzkampagnen gegen Beginen gestartet wurden (denn man wollte diese Frauen gesellschaftlich fertig oder sie wenigstens mundtot machen). Diffamierungen und Intrigen waren damals eine legitime Vorgehensweise, um Menschen auszuschalten. Wenn heute irgendwelche Gerüchte in Büchern oder alten Schriften  jeglicher Art auftauchen, die gegen Beginen gerichtet sind und diese geglaubt werden, ist das ein Desaster, denn das gibt ein vollkommen falsches Bild wieder. Wenn man diese toxischen Gerüchte heutzutage als legitim und auf Wahrheiten beruhend akzeptiert, verletzt man die Integrität dieser Frauen erneut!

Das Gute ist: die KI lernt schnell! Sie hat mir dann ein KI - Bild über sich selbst gemacht, Kaffee trinkend im Büro, welches mich laut lachen ließ, so harmlos wie sie da rüberkommt…

Wichtig zu wissen


Google hat vor, bzw. ist schon dabei (!) die Webseitensuche vollständig abzuschaffen, zugunsten des Textes, den die KI schreibt. Die anderen Suchmaschinen werden nachziehen. Dagegen gab es so großen Widerstand von Forschern, sodass Google den Menüpunkt „Websuche“ erhalten hat, aber versteckt, und nur nutzbar, wenn man ihn gezielt anklickt. Dann wird das Gesabbel von der KI ausgeblendet. Zukünftig wird es (außer man klickt es gezielt an) keine Links mehr auf Webseiten geben!
Was bedeutet das für die modernen Beginenhöfe? Sie werden in der Webseitensuche einfach nicht mehr (!) gefunden, denn Linkverweise fallen weg. Was kann Frau in den Beginenhöfen dagegen tun? Z.B: : sich gegenseitig stärken und unterstützen, indem man Gegenlinks auf die Webseiten der anderen Höfe legt!