Europaweite Bezeichnungen für Beginen
© von Uta-Maria Freckmann
Während meiner Recherche war es oft schwierig, herauszufinden, wo die Beginen lebten und wie viele Beginen es gab. Dies war bedingt durch die vielen verschiedenen Namen, die umgangssprachlich und regional für freie, religiöse Frauengemeinschaften über die Jahrhunderte benutzt wurden. Dazu kam, dass Beginen oft ab dem 13. Jahrhundert in den Klöstern verschwanden, um kirchlichen Reglementierungen zu entsprechen. Zudem gab es die Tendenz, bei Beginen die sich sehr engagierten, deren Herkunft zu verschleiern oder sie, weil es Frauen waren, einfach zu ignorieren.
Bei Elisabeth von Thüringen beispielsweise, wurde durch ihren Beichtvater Konrad von Marburg die Bezeichnung "Begine" nie erwähnt. Er war Großinquisitor und Priester, trug den Magistertitel und strebte unmittelbar nach ihrem Tod ihre Heiligsprechung an. Sie starb schon mit 24 Jahren nach einem entbehrungsreichen Leben und Misshandlungen Konrads. Beginen wurden aber von der Kirche nicht heiliggesprochen, deshalb wurde sie niemals als Begine bezeichnet, obwohl ihre Lebensweise ganz darauf hindeutete.
Weil die Bezeichnungen so vielfältig waren wie die Beginen selbst, erschien es mir sinnvoll, einmal alle unterschiedlichen Benennungen aufzuzeigen, mit denen die autarke Lebensweise der Beginen in Büchern, Urkundenvermerken und Inquisitionsakten beschrieben wurde. Gemeinschaften, die von Männern initiiert wurden aus einem klerikalen Kontext heraus, zähle ich nicht dazu (z. B. die "Schwestern des gemeinsamen Lebens").
Im deutschen Sprachraum - z.B. im Rheinland, Süddeutschland und der Hansestadt Hamburg:
Beginen; Seelschwestern; Polternonnen (umgangssprachlich abwertend, weil sie für die Aufmerksamkeit Lärm machten bei Beerdigungen ); Waldschwestern (sie lebten dort); Betschwestern; Feldschwestern (wenn sie in Lazaretten wirkten); Devote; Klausnerinnen (wenn sie in offenen Klause-Gemeinschaften lebten); mulieres religiosa; Sorores seculares; Sorores de poenitentia; Mulieres devotae; arme Schwestern; Schwestern, oder manchmal einfach „die Frauen“ (mit dem Bezug zum Wohnort).
In Flandern, Niederlanden und Brabant:
Begijnen; Beguinae; Mulieres religiosae; Mulieres sanctae; Virgines continentes; Gotzhus-Frauen (Gotzhus= Gotteshaus- so hießen die Häuser, die extra für arme Beginen gebaut wurden).
In Italien, der Toscana, in Umbrien, Rom und Neapel:
Bizoche; Pinzochere; Bizoke; Poverelle; Umiliate; Bizochae; Mantellatea; Sorores; Humiliate (abgeleitet von den Humiliaten).
In England
Dort war die Inklusin (Inklusae= eingemauerte Religiöse) und das Anachoretentum sehr angesehen. Freie religiöse Frauen-Gemeinschaften wurden eher mit Argwohn betrachtet. Ein Beginenwesen wie in Deutschland schien es nicht gegeben zu haben: Vowesses; holymaidens; Anchoresses (zurückgezogen lebend in kleinen Gemeinschaften), Mulieres uountes, sisters of penitence.
In Frankreich
Béguines; Beguinae; Mulieres religiosa, Beguttae; Begütes (Languedoc, Provence); Filles dieu (Töchter Gottes); Soers grises (graue Schwestern); reclusoirs (an Stadtmauern oder Brücken lebende); Soers de Leproserie und Sorores Leprosariorum (in Seuchenhäusern tätige Beginen); Donattes; Soeurs Donates (in Languedoc und in der Gascogne in Hospitälern).
In Spanien
Beatas; (Mulieres) Beatea; Freylas; Freilas; Sorores Seculares; Begines; Beguines (katalanisch); Donadas, Donate oder Sonores Charitatis.
Sicherlich gibt es noch mehr Bezeichnungen, die Forscherinnen und Forscher im Laufe der Jahre für Beginen oder freiheitlich lebende Frauengemeinschaften, nach Art der Beginen, entdeckt haben.