Vorstellung von medica mondiale
Von Uta-Maria Freckmann 03.2026 ©
Erfahrungsbericht
Eine ältere Dame, um die 80 Jahre alt, berichtete von ihrer Erfahrung als ca. 4-jähriges Mädchen, als es nach dem verlorenen Krieg 1945 hieß: „Passt auf, wenn die …. kommen, versteckt euch!“ Sie erzählte scheinbar unbeteiligt, dass sie danebenstand, als ihre Mutter mehrfach vergewaltigt wurde. Sie berichtete ruhig und emotionslos, wie sie es mitansehen musste, als ihrer Mutter dies angetan wurde. Dass sie diese Erinnerung überhaupt teilen konnte, war nur möglich geworden, weil zwischen uns Vertrauen entstanden war. Ein Gespräch kann etwas von der Last nehmen. Doch selbst viele Jahrzehnte später kann es sinnvoll sein, solche Erfahrungen therapeutisch aufzuarbeiten.
Der Mantel des Schweigens
Der Mantel des Schweigens ist es, der die Verbrechen an Frauen im Krieg durch die Soldaten der Besatzungsmacht, vom sexuellen Missbrauch bis hin zur Tötung von Frauen und Kindern, ungestraft macht – und die Täter schützt. Und für die Überlebenden bedeutet es eine erneute Traumatisierung, da sie zum Schweigen gebracht, stigmatisiert, angezweifelt, für ihre Gewalterfahrung selbst verantwortlich gemacht und ausgegrenzt werden. So kann das Trauma nicht verarbeitet werden und wird unverarbeitet an die nächste Generation weitergegeben, wofür auch die Epigenetik Beweise liefert.
Engagement von medica mondiale
Um auf diese und andere Verbrechen gegen Frauen aufzubegehren, engagiert sich die Frauenrechtsorganisation medica mondiale, indem sie in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in Kriegs- und Krisengebieten weltweit Überlebende unterstützt und auf diese Missstände aufmerksam macht. Früher geschah oft auch auf politischer Ebene nichts und diese Verbrechen blieben ungestraft, weil die Frauen sich aus Scham und Schuldgefühlen heraus nicht wehren konnten und niemand ihnen zur Seite stand. Familiäre und gesellschaftliche Tabuisierung trugen dazu bei, dass diese Traumata unbearbeitet blieben.
Dieser Satz, der den Zeitgeist prägte, steht auf der Seite von medica mondiale:
„Nach Kriegsende haben Männer ihre Frauen nicht gefragt: ‚Was ist dir denn im Krieg passiert?‘, damit die Frauen nicht fragen: ‚Und was hast du dort getan?‘“
Rechtliche Verfolgung und strukturelle Ursachen
Monika Hauser wollte das ändern! Sie gründete die Organisation und reiste direkt in die Krisengebiete, um Frauen zu unterstützen und Gerechtigkeit für sie anzustreben. Für solcherart Verbrechen ist der International Criminal Court zuständig, er verfolgt vier Kategorien schwerer Verbrechen. In diesen Fällen geht es zumeist um Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen. Er wird aber nur aktiv, wenn der zuständige Gerichtshof im Land keine Anklage erheben will (oder kann).
Strukturelle Gewalt gegen Frauen
In allen patriarchal geprägten Gesellschaften werden Frauen noch immer benachteiligt oder herabgesetzt. Das kann bereits mit der Weigerung beginnen, Frauen im Beruf zu fördern, und im Extremfall in Bedrängung, Missbrauch oder sexualisierter Gewalt münden. Eine tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter kann nur erreicht werden, wenn Staaten weltweit solche Gewalt verurteilen und konsequent dagegen vorgehen. Ebenso wichtig ist es, Frauen darin zu stärken, ihre Rechte wahrzunehmen und sich gegen Übergriffe zu wehren. Organisationen wie medica mondiale leisten dabei einen wichtigen Beitrag, indem sie Betroffene unterstützen und ihnen eine Stimme geben.
Infos über generationenübergreifende Traumata auf der Homepage
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