Teil 2 - der Beginenhof in Oldenburg

 


Bild: Copyright Stadt Oldenburg, Kaminski


Die Entstehung eines Beginenhofs

Text: Kaminski, Stadt Oldenburg Hier Teil 1

Der Architektinnen-Entwurf begeistert

Ein sichtbares Ergebnis der Beratungen der Frauen ist der Entwurf zweier Architektinnen für den Bau des Beginenhofes, den die GSG Oldenburg in Auftrag gegeben hat. Auch hier sind viele der Wünsche und Vorstellungen der Frauen eingeflossen. Dementsprechend war die Begeisterung der Anwesenden groß, als Alexandra Mendel und Inken Feddersen vom Büro Sosath & Scheper ihre Entwürfe vorstellten. Überwiegend kleine, bezahlbare Wohnungen und viel Raum für die Gemeinschaft haben sich die Frauen für ihren Beginenhof gewünscht. Die Architektinnen Alexandra Mendel und Inken Feddersen haben diese Wünsche in einem dreigliedrigen Bau umgesetzt, der einen großzügigen Innenhof umschließt. Ihre Fragen und Anregungen für die weitere Ausarbeitung der Entwürfe konnten die Frauen auf Feedback-Zettel schreiben. Diese Rückmeldungen werden von der GSG Oldenburg und dem Architekturbüro ausgewertet. Die Ergebnisse fließen in die weitere Ausarbeitung der Entwürfe ein.


Basis für künftige Beginen-Gemeinschaft

 „Als Beginen in Oldenburg wollen wir in Gemeinschaft und Verbindlichkeit leben und setzen uns für diese Gemeinschaft ein.“ So beginnt der Entwurf zum Leitbild der Oldenburger Beginen. 

Gemeinsame Aktivitäten, gegenseitige Unterstützung im Alltag, Streit- und Willkommenskultur sind weitere Punkte in diesem ausformulierten Grundkonsens der künftigen Gemeinschaft. Unterschiedliche Meinungen gab es zum Thema Abgrenzung des Privatlebens von der Gemeinschaft ebenso wie zur Öffnung des Beginenhofes ins Quartier. Auch wie die Frauen den Beginenhof zu einem kreativen und kulturellen Ort im Quartier Helleheide gestalten wollen, soll noch weiter beraten werden.

 

Beginenfrühstück, WhatsApp-Gruppe und Dienstagstreff

Um den Entwurf des künftigen Leitbildes der Oldenburger Beginen weiter zu diskutieren, trafen sich die Teilnehmerinnen der Arbeitsgruppen zum geplanten Oldenburger Beginenhof Mitte Mai 2023 erstmals zu einem gemeinsamen Frühstück. Das gesellige Treffen diente auch zur Vertiefung der Kontakte und zur Festigung der Beziehungen untereinander. So bildete sich eine WhatsApp-Gruppe, mit Hilfe derer die Frauen sich zu weiteren Treffen alle 14 Tage in der Oldenburger Jugendherberge verabredet haben. Später zog die sogenannte Dienstagsgruppe in die Gemeinwesenarbeit Dietrichsfeld um. Diese kommt mittlerweile einmal im Monat dienstags ab 17.30 Uhr zusammen.

Zweite Vollversammlung zum Beginenhof

Über 40 Interessentinnen am zukünftigen Beginenhof Oldenburg kamen zur zweiten Vollversammlung Mitte Juli 2023 ins Kulturzentrum PFL. Auf der Tagesordnung stand zunächst Aktuelles aus der Bauplanung, die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden geteilt und die weiteren gemeinsamen Schritte geplant.

Zum Austausch mit Beginen aus anderen Höfen in Deutschland sind die Oldenburgerinnen als Nächstes am Samstag, 16. September 2023, gemeinsam nach Bielefeld zum Beginentreffen gefahren. Dazu wurden Fahrgemeinschaften gebildet. Eine neue Arbeitsgruppe zur Gründung eines Vereins wurde ebenfalls gebildet, der sich spontan eine ganze Reihe von Frauen angeschlossen haben.

 

Dritte Vollversammlung zum Oldenburger Beginenhof

Die Interessentinnen am künftigen Beginenhof Oldenburg haben sich zu ihrer dritten Vollversammlung am Mittwoch, 1. November 2023, getroffen.

Einstimmig beschlossen die Frauen, einen Verein für Frauen-Wohn-Kultur und zur zeitgemäßen Wiederbelebung der Beginenkultur zu gründen. Zur Erarbeitung der Satzung für diesen Verein bildet sich eine Arbeitsgruppe.

 

Vereinsgründung

Die auf der dritten Vollversammlung gegründete Arbeitsgruppe nahm bald ihre Arbeit an der künftigen Satzung auf.

Am 6. August 2024 konnte schließlich die Gründungsversammlung zum Verein Beginen-Oldenburg stattfinden. 19 Frauen stimmten der neuen Satzung zu, zeichneten als Gründungsmitglieder und wählten den ersten Vorstand der Beginen Oldenburg. Dieser besteht aus Christiane Kaminski (mittlerweile verheiratete Kaminski), Beate Kuchs, Angela Mischke und Bernadine Schwanken. Die Vorständinnen wurden beauftragt, alles Nötige zu veranlassen, um den Verein als e.V. ins Registergericht eintragen und vom Finanzamt als gemeinnützig anerkennen zu lassen. Außerdem sollte ein Vereinskonto eingerichtet werden. Diese Aufträge beschäftigten die Vorstandsfrauen die kommenden Monate. Am 2. September 2024 wurde der Verein schließlich beim Amtsgericht Oldenburg eingetragen. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erfolgte 4. Oktober 2024. Auch das Konto konnte noch in 2024 erfolgreich eingerichtet werden. Damit wurden die drei wesentlichen Grundsteine gelegt für die künftige Vereinsarbeit.

Öffentlichkeitsarbeit und wachsende Gemeinschaft

Um weitere Frauen für den künftigen Beginenhof Oldenburg zu interessieren, aber auch um die Öffentlichkeit und mögliche Förderer auf sie aufmerksam zu machen, betreiben die Oldenburger Beginen eine rege Öffentlichkeitsarbeit. Ein Logo und ein eigener Flyer wurden als Erstes entwickelt. Für Info-Veranstaltungen – zum Beispiel im „Schlauen Haus“ Oldenburg – wurde ein Roll-up erstellt. Die Homepage des Beginen-Oldenburg e.V. ist in Arbeit.


Stand 2025: Bauantrag und Ausblick auf Baubeginn

Den krönenden Abschluss des dritten Jahres nach dem ersten Anstoß zur Gründung des Oldenburger Beginenhofes bildete im November 2025 der Bauantrag, den die GSG Oldenburg als Bauherrin stellte. Vorangegangen waren noch intensive Vorarbeiten der AG Bau und zahlreiche Rücksprachen zwischen den Oldenburger Beginen mit der GSG und den beauftragten Architektinnen. Viele Wünsche der Frauen konnten noch berücksichtigt werden, wie zum Beispiel die Planung und Pflege der Grünanlagen im Innenhof durch die Beginen selbst. Andere Wunschträume ließen sich leider nicht erfüllen, wie ein vollständig zum Innenhof hin umlaufender Laubengang und die Platzierung der Gemeinschaftsräume im Haupteingangsbereich.

Wenn die Genehmigung zum Bau nun rasch erteilt würde, könnte im Sommer 2026 mit dem Bau des ersten Oldenburger Beginenhofes begonnen werden. Einziehen können die Frauen dann voraussichtlich 2028. Diese schöne Aussicht beflügelt hoffentlich weiter das Zusammenwachsen und die Gemeinschaft der Oldenburger Beginen. Tatsächlich unternehmen die Frauen schon jetzt vieles gemeinsam: Frühlings- und Jahresabschlussfeste, Radtouren, Besichtigungen, eine Reise zu historischen Beginenhöfen in Belgien, aber auch spontane Verabredungen auf dem Wochenmarkt und ins Kino. Die tragfähige Gemeinschaft unter den Frauen bildet das wichtigste Fundament des künftigen ersten Beginenhofes Oldenburg.